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Ranquas-Chronik und Aktuelles

Historie des Ranquas vom Mesozoikum bis zur -> Gegenwart

Daher finden Sie "Aktuelles" am Seitenende

 

 
 
 

vor rund 150
Millionen Jahren

     

Das Jura-Meer hat in der Gegend bis zu 2000 Meter mächtige Kalkablagerungen und Dolomite hinterlassen. Ranquas, Séranne und Larzac sind aus diesen Gesteinen aufgebaut.

 

 
 
 
 

vor 95 Millionen
Jahren

     

In der Kreidezeit zieht sich das Meer zurück. Seitdem hat die Erosion die Hochfläche des Larzac und damit auch den Ranquas herauspräpariert. Das Gebiet verkarstete.

 

 
 
 
 

vor 6000 Jahren

     

In Quellkalk-Ablagerungen des Vis-Tals aus dieser Zeit finden sich die Blätter von Buchen, Stechpalme, Linde, Hasel, Lorbeer und sommergrüne Eichen.

Die Umstellung der steinzeitlichen Kulturen von Jagd zu Landwirtschaft führt vermutlich in der Region erstmals zu größeren Entwaldungen durch den Menschen. In der unmittelbaren Umgebung des Ranquas befinden sich heute noch mehrere Dolmen (Großsteingräber), Menhire und Cromlechs (Steinkreise), die etwa aus der Zeit von vor 4500 Jahren stammen könnten.

 

 
 
 
 

vor 2000 Jahren

     

Historische Zitate aus römischen Berichten bezeugen, dass die Hochfläche des Larzac (wozu das Ranquas gehört), damals von einem undurchdringlichen Buchenhochwald bewachsen war. Heute gibt es nur noch einzelne Buchen in den höchsten und westexponiertesten Teilen des Larzac und in tiefen Dolinen.

 

 
 
 
 

seit mindestens
1000 Jahren

     

Schon vor langer Zeit hat sich die Transhumanz als landwirtschaftlicher Nutzungszyklus für die Karsthochflächen ausgebildet. Dabei ziehen Schäfer, die in den regenreichen Wintermonaten die mediterranen Tieflagen beweiden im Frühjahr über viele Kilometer auf die Karstplateaus hoch und gegebenenfalls weiter in die Cevennen. Auch der öffentliche Weg über den Ranquas ist ein alter Transhumanz-Pfad.
Die Schafhaltung ist inzwischen stark rückläufig und wandernde Schafherden werden immer seltener.

 

 
 
 
 

 bis 1961

     

Vor 1961 haben sich drei Bauerngenerationen auf dem Hof abgelöst. Die Familie Saubert, Tierzüchter mit einer großen Herde aus Ziegen, Kühen und Schafen, berichtete von dem außerordentliche hohen Kaninchenbestand. Die Arbeitsbedingungen für die Landwirte in dem wasserlosen Gebiet sind von mittelalterlicher Härte.

Das Gelände wurde für die Herstellung von Holzkohle für die Glasbläserei und zur Beweidung fast völlig entwaldet.
17 Kohlenmeilerstellen im Gelände bezeugen die Zerstörung des Waldes. Nur etwa hundert alte Eichen blieben stehen und bekamen die Seitenäste zur Holzgewinnung abgesägt. Die Stockausschläge und Jungbäume des ursprünglichen Laubmischwaldes aus verschiedenen Baumarten wurde durch Beweidung vernichtet - die Flaumeichen hingegen überlebten als Niederwald aus Stockausschlägen.

Das überweidete Gebiet wurde für Herdenwirtschaft zunehmend ungeeignet. Wilder Lavendel, für die Parfümindustrie mit Sicheln geerntet, gibt bereits Zeugnis der wirtschaftlichen Probleme für die Tierhaltung. Myxomatose und Überjagung rotteten die Kaninchen auf dem Ranquas aus.

 

 
 
 
 

 1961

     

Christian Theys, ein belgischer Antiquitätenhändler, kaufte 1961 der Familie Saubert das Gelände für 15000 Francs ab. Zu dieser Zeit war die Landwirtschaft bereits mehrere Jahre eingestellt. Auf dem nicht mehr beweideten Gelände breiteten sich Buchsbaum und Flaumeiche aus. Der Insekten- und Pflanzenreichtum begann abzunehmen. Theys pflanzte Bäume, Mirabellen und Quitte, die in wenigen Exemplaren noch existieren, sowie einige Zedern und Zypressen um das Farmgebäude.

 

 
 
 
 

 1977

     

Theys entdeckte ein Steinadlerpaar, dass auf dem Steilhang des Ranquas seinen Horst hatte. 1977 machte er das Gelände zum Jagdschutzgebiet mit völligem Jagdverbot (réserve de chasse approuvé). Leider war er gezwungen, zur Finanzierung seines Unternehmens in Nizza die Gebäude mit umgebenden 25 Hektar zu verkaufen, bevor er plötzlich starb.

 

 
 
 
 

 1983

 

     

Seine Witwe nahm 1983 Verhandlungen mit dem Ziel des Verkaufs des Geländes an jemanden auf, der das Biotop respektierte. 1985 wurde ein Pachtvertrag unterzeichnet. Mit diesem Datum begannen gewaltige Schwierigkeiten mit den angrenzenden Bürgermeistereien, der Landwirtschaftskammer und der staatlichen Aufkaufsgesellschaft für Grundstücke, der SAFER. Teile der Bevölkerung - vor allem einige Neubürger - versuchten, das Naturschutzprojekt zu verhindern. Zu diesen Schwierigkeiten kamen während des ersten internationalen Arbeitseinsatzes Sabotageakte an Arbeitsgeräten sowie eine schriftliche Branddrohung der Jägerschaft hinzu.

 

 
 
 
 

1987/88

     

Am 6. Juli 1987 untersagte Richard, Direktor der Abteilung für Strukturen der Landwirtschaftskammer in Montpellier, die landwirtschaftliche Nutzung des Geländes im Auftrag einflussreicher Großlandwirte, besonders des Viehzüchters Senet aus St. Jean de Bueges. Im Frühling 1988 startete das "Naturschutzprojekt Ranquas" mit:

  • Wiederanbringung von Jagdverbots-Schildern an, die seit 1979 verschwunden waren,
  • Unterstützung die Jagdaufsichtsbehörde im Einsatz gegen Wilderei und große Jagdgesellschaften im Gelände,
  • Errichtung der ersten Infrastrukturen gegen Waldbrand.

Im Winter wurde der Erlass vom 6. Juli 1987 aufgehoben:

  • Sofort begann der Bau des ersten Kunstteiches,
  • Pflanzung von Obstbäumen (Kirsche und Mirabelle),
  • Aufstellung von Bienenstöcken.

 

 
 
 
 

1990

     

Mit dem Projekt "Adlerwiesen" wurde eine wetterfeste Schafherde von Blackface-Schafen ganzjährig zur extensiven Beweidung angeschafft. Dies war Voraussetzung für die Aussetzung von Wildkaninchen. Nach dem Bau künstlicher Kaninchenburgen wurden mit den ersten Spendengeldern gekaufte Wildkaninchen erfolgreich ausgesetzt.
Es wurde ein Kunsthorst für den Steinadler auf dem Ranquas gebaut, der auch sofort angenommen wurde.

Als Erfolg ständiger Dokumentation der Vogelunfälle baute die EDF (Electricité de France) eine greifvogelgefährliche Hochspannungsleitung ersatzlos ab - mehrere Adler und Uhus kamen vorher zwischen Madières und St. André de Buèges in der Leitung um.

 

 
 
 
 

1992

     

Projekt "Mischwald" startet:

  • Pflanzung von Eibe, Speierling, Elsbeere, Linde
  • Aufbau einer Baumschule / eines Pflanzgartens im Gelände
  • Beginn der Errichtung von Brandschneisen als Schutz gegen Bodenfeuer, die bei der von den Jägern angedrohten Brandstiftung durch den Wald laufen könnten

 

 
 
 
 

1993/94

     

Beantragung der Ausweisung des Ranquas als privates Naturschutzgebiet (sogenanntes: "réserve naturelle volontaire") und Einreichung der ersten Akte hierfür. Mit dem Naturschutzstatus soll ein dauerhafter gesetzlicher Schutz des Geländes zu erreicht werden.

 

 
 
 
 

1996

 
     

Ablehnung des Antrags von der Präfektur aus Gründen, die nichts mit dem Naturschutz zu tun hatten.

 

 
 
 
 

Dez. 1998

     

Gründung von Horizons Séranne als Förderverein für das Naturschutzprojekt und die Bildungsarbeit.

 

 
 
 
 

Dez. 2000

     

Einreichung der zweiten Akte in einem neuen Antrag für die Ausweisung des Ranquas als privates Naturschutzgebiet (sogenanntes: "réserve naturelle volontaire").

Beim zweiten Antrag bildet nicht mehr der Steinadler als Leitart einen Schwerpunkt, sondern der Hirschkäfer. Weiterhin wird der Schutzanspruch der Arten und Lebensräume nach dem Natura 2000 Programm der Europäischen Union (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie) hervorgehoben.

 

 
 
 
 

2001

     

Fertigstellung des Naturlehrpfades auf dem Ranquas zur Führung von Besuchergruppen und zur Umweltbildung von Jugendlichen und Erwachsenen.

Eine Entscheidung der Behörden über den zweiten Antrag zur Unterschutzstellung wird mit Spannung erwartet, scheint sich aber in den Behörden weiter zu verzögern. Der Widerstand des einflussreichen Viehzüchters Senet spielt weiterhin eine Rolle, während die Stromleitung nicht mehr aktuell ist.

 

 
 
 
 

Januar 2002

     

Völlig unerwartet stirbt Ende Januar das gut ausgebildete Rückepferd "Bento" an einer Darmverschlingung.

 

 
 
 
 

April 2002

     

Die beantragte Schutzkategorie "Réserve Naturelle Volontaire" wird frankreichweit per Gesetzesänderung von der Abgeordnetenkammer abgeschafft. Juristisch unklar ist, was dies für den 2000 eingereichten Antrag für das Ranquas bedeutet.

Die alte Regierung versäumt es, in ihrer Legislaturperiode eine Nachfolge-Regelung für die Schutzkategorie zu verabschieden. Unter Chiracs neuer Regierung ist eher eine jagdfreundliche und naturschutzfeindliche Neuregelung zu erwarten.

 

 
 
 
 

Sommer 2002

     

Einige Managementprojekte (Teichbau, Kinder-Umweltbildung, Trittsteinbiotope im Adler-Jagdgebiet) sind durch zu geringes Spenden-Aufkommen bedroht. Zirka 30 Patenschaften fehlen noch!

 

 
 
 
 

Frühjahr 2003

     

Die Steinadler brüten. Wegen einer Störung am Nest kurz vor dem Schlüpfen der Jungen gibt es jedoch keinen Nachwuchs.

Das Steinadlerweibchen wird im Mai 2003 auf der Causse de Blandas von einem Jäger bei einem Einzelgehöft abgeschossen.

 

 
 
 
 

Sommer 2003

     

Im August ersetzt eine zugewanderte ca. 6-jährige Adlerin das abgeschossenene Tier. Ein Schutzantrag auf Biotopschutz um den Adlerhorst nach den Regelungen der EU-Vogelschutzrichtlinie ist in Vorbereitung.

Der Dürre im Sommer macht dem Wald schwer zu schaffen:
Alte Eichen und Ahorne vertrocknen und die gepflanzten Elsbeeren und Speierlinge müssen mit hohem Aufwand gegossen werden.

 

 
 
 
 

Herbst 2003

     

Im Oktober 2003 verschwindet dann auch das Adler-Männchen
- vermutlich durch Abschuss in der Jagdsaison. Im winter findet das "neue" Weibchen auch einen neuen Partner, ein ca. 3-jähriges Männchen.

 

 
 
 
 

Frühjahr 2004

     

Im Januar Fertigstellung des neuen Korrals an anderer Stelle zum Fang, Schur und Verarztung der Blackface Schafe. Störungen für die Steinadler in ihrem Jagdgebiet "Adlerwiesen" sind durch die neu gewählte Lage jetzt ausgeschlossen.

Eine jagdsicher gelegene Futterstelle, die ab und zu mit kleinen Tierkadavern beschickt wird, verbessert das Nahrungsangebot für die Steinadler. Das Horstumfeld wird durch einen neuen 1,5 km langen Zaun vor Beunruhigung geschützt. Das neue Adlerpaar brütet.

Die gepflanzten Elsbeeren, wie auch freigestellte wilde Jungbäume blühen erstmals so zahlreich, dass genügend Nachwuchs durch natürliche Aussaat zu erwarten ist.

 

 
 
 
 

Sommer 2004

     

Langzeitfolgen der Trockenschäden an Eichen vom Vorjahr sind noch nicht sicher abzuschätzen. Vorerst erscheinen die meisten Flaumeichen etwas geschwächt überlebt zu haben, während Ahorn und Elsbeeren keine Schäden davon trugen. Als Folge der Trockenheit 2003 blühen kaum Orchideen auf dem Ranquas.

Neuntöter, Wiedehopf und Berglaubsänger kriegen keine Brut hoch - ebenfalls eine Folge des trockenen Vorjahres. Auch 22 der 24 Steinadler-Brutpaare in den südlichen Cevennen bleiben ohne Nachwuchs. Die Steinadler des Ranquas bringen Dank der Zufütterung mit Aas ein Junges durch (siehe Adlerfotos im "Galerie"-Teil).

 

 
 
 
 

Herbst 2004

     

15 Prozent der Flaumeichen des Ranquas haben den Sommer nach dem Trockenjahr 2003 nicht überlebt.

 

 
 
 
 

2005

     

Management: Die deutsche Spendenverwaltung für das Naturschutzprojekt Ranquas muss vom NABU Konstanz zum BUND Hessen wechseln. Grund ist, dass Frau Rüsing vom NABU in Rente geht und sich Wohlrad Lang vom BUND bereit erklärt hat, diese Arbeit zu übernehmen.

Fauna: Die Adler brüten wieder.

Klima: Spanien veröffentlicht eine Studie zum Klimawandel, die unter Mitarbeit von 400 Wissenschaftlern im Auftrag des spanischen Umwelt-
ministeriums erstellt wurde. Vom Ranquas ist es nach Spanien nicht sehr weit und einige für Spanien festgestellten Entwicklungen werden wohl auch den Süden Frankreichs so treffen:

  • Stärkster Klimawandel in Europa, Anstieg der Durchschnitts-
    temperatur in Spanien bisher um 1,5oC (in Europa 0,95oC , weltweit 0,6oC)
  • Stärkerer Temperaturanstieg im Sommer als im Winter.
  • Jahresniederschlag geht um 20% zurück!
  • Stürme, Überschwemmungen und Waldbrände nehmen zu.

Klimawandel auf dem Ranquas:
Die Apfelbäume blühen erst im Herbst. Für das Gebiet typische Vogelarten wie Neuntöter und Berglaubsänger brüten gar nicht. Im Wald kommen zunehmend kleine Steinlinden und Steineichen auf, die früher nur mediterraneren Lagen die Winter überleben konnten.

 

 
 
 
 

Frühjahr 2006

     

Management: Der neue Schafkorrall geht in Betrieb. Zwei neue Feuerlöschstationen werden fertig gestellt. Zu einer musste ein verbesserter Weg gebaut werden.

 

 
 
 
 

Sommer 2006

     

Fauna: Das Adlerpaar hat einen Sohn groß gezogen, der im Juli seine Flugübungen mit den Eltern beginnt. Sieben junge Wiedehopfe tummeln sich auf den Schafwiesen.

Flora: Die vor Ort nachgezogenen und an 20 geeigneten Stellen ausgepflanzten Schlitzblättrigen Rittersporne (das Ranquas ist einer der letzen beiden autochtonen Standorte dieser Art in Frankreich) liefern im Juli eine Blütenorgie in blau.

Klimawandel:
Statt den üblichen etwa 750 Millimetern Niederschlag fallen vom 1. Januar bis zum 15. August nur 200 Millimeter auf dem Ranqaus. Die Trockenheit wird durch starken Wind und hohe Temperaturen um 35 Grad verstärkt.

 

 
 
 
 

Herbst 2006

     

Fauna: 25 junge Marmormolche gehen am Ältesten der Kunstteiche an Land.

Jagd: Nachdem am 4. November ein Wilderer im Jagdschutzgebiet erwischt und bei Polizei und Jagdaufsicht angezeigt wurde,
veranstalteten seine Kumpel am 11. November eine Treibjagd und erschossen dabei das Blackface-Schaf "Zitrone" mit einem Bauchschuss.
Neben dem finanziellen Verlust durch Tod des Schafes entstehen auch noch Anwaltskosten, um die Jäger so unter Druck zu setzen dass solche Zwischenfälle in Zukunft unterbleiben.


 
 
 
 

Frühjahr 2007

     

Klimawandel: Der Winter war nicht nur warm, sondern vor allem extrem niederschlagsarm bei stark austrocknenden Winden. Daher wächst kaum Gras für die Schafe.

Forschung: Mathieu Denoel untersucht seit 2005 die Verbreitung neotonischer (pedomorpher) Fadenmolch-Populationen auf dem Larzac. Neotonische Formen behalten das Larvenstadium mit äußeren Kiemen als adulte Tiere bei und leben permanent im Wasser. Diese bei Fadenmolchen seltene Lebensform scheint vor allem auf Karstplateaus Südfrankreichs vorzukommen.
Denoel fand 2006 auf dem Ranquas 184 Fadenmolche im Kunstteich in der Offenlandschaft der Adlerwiesen; davon gehörten 105 der seltenen neotonischen Form an. In den Teichen des bewaldeten Teils des Ranquas waren hingegen umgewandelte Molche in der Überzahl.

 

 
 
 
 

Sommer 2007

     

Management: Das Pferd "Pivoine", das zusammen mit dem Maultier "Pedro" die Brandschneisen beweidet, muss mit einem gebrochenen Oberschenkel eingeschläfert werden.
Pedro schließt sich untrennbar einer Pferdeherde bei Nachbarn an, die zur Pferdefleischgewinnung gehalten wird und wird dort schließlich erschossen.
Mit Sonderspenden können die Esel "Angie" und ihre drei Monate alter Tochter "Blues" gekauft werden, die von nun an die Brandschneisen beweiden.

 

  'Esel 'Angie' und ihre drei Monate alter Tochter 'Blues' Foto: Horizons Séranne

Dezember 2007

     

Jagd: Die Nachbarin Nicole Vienney, die in der Exklave um das alte Farmgebäude des Ranquas wohnt, beantragt die Auflösung des Jagdschutzgebietes Ranquas. Das von ihr genutzte Grundstück ist Teil des staatlich anerkannten Jagdschutzgebietes. Es kann jedoch ohne die Zustimmung beider Eigentümer (Chrstian Petty 184 ha, sowie Nicole Vienneys Verwandten 25 ha) nicht gelöscht werden. Als Grund für ihren Antrag gibt sie Wildschweinschäden an. Die Jagdbehörde ordnet daraufhin am 17.12.2007 eine administrative Zwangsjagd zur Wildschweinbekämpfung an. Diese findet am 27.12. unter der Leitung des "Lieutenant de louveterie" statt. Den "Wolfsjagd-Leutnant" gibt es zur Wolfsbekämpfung seit Karl dem Großen - heute ist es ein Ehrenamt und das Ziel hat sich zur Wildschwein-Dezimierung im Falle landwirtschaftlicher Schäden gewandelt.
Die Zwangsjagd findet am 27.12.2007 statt: 112 Jäger, die mit 70 Autos anreisten, erlegen zwei Wildschweine auf dem Ranquas und weitere drei außerhalb. Nach dem Manöver ist das Ranquas voller Klopapier und Bierdosen.
Der eigentliche Zweck des Jagdschutzgebietes Ranquas (réserve de chasse approuvée) ist der Schutz vor Vogeljagd. Somit ist die administrative Jagd auf Wildschweine eher unproblematisch. Tendenziell ist sie eher überflüssig, da die Jäger der umgebenden Flächen jeden Herbst Wildschweine aus dem Ranquas herauslocken und abschießen.

 

 
 
 
 

Januar 2008

     

Jagd: Ein Ortstermin im Ranquas mit dem Vorsitzenden des Landesjagdverbands Languedoc-Roussillion und der Obersten Jagdaufsicht zum Antrag der Nachbarin auf Auflösung des Jagdschutzgebietes führte zu folgenden, für das Naturschutzprojekt positiven Ergebnissen:

  1. Des Antrag auf Ausstieg aus dem réserve de chasse approuvée ist abgelehnt, ebenso die Schadensersatzforderung wegen Wildschweinschäden. Damit bleibt das Ranquas das letzte Schutzgebiet dieser Art im Département Hérault.
  2. Administrative Jagden zur Wildschweinregulierung finden in Zukunft nur auf Antrag des Geländeeingentümers (Christian Petty) statt; maximal 3 im Jahr.
  3. Statt einer großen Gesellschaftsjagd, wie am 27.12. 2007, erfolgt die Wildschweinregulierung durch Berufsjäger vom Jagdschutz und weiterer ausgewählter Jäger.

 

 
 
 
 

25. Januar 2008

     

Öffentlichkeitsarbeit:
Die Adlerschutzgruppe, Horizons Séranne, der Naturschutzclub aus Brissac und der Fotograf Vincent Decorde präsentieren der Bevölkerung im Kino von Ganges erstmals einen Lichtbildvortrag über die Steinadler in der Region.
Vorgestellt wurden Fotos und Forschungsergebnisse, die demnächst auch in Buchform veröffentlicht werden sollen.
Mit 180 Besuchern war der Kinosaal voll besetzt. Anwesende Jäger und Naturschutzkritiker bezeichntet den Vortrag als 'neutral und ausgewogen'.

 

Plakat zum Vortrag über die Steinadler in der Region - Grafik: Karine Andréi / Vincent Decorde

 

Januar 2008

     

Jubiläum: Vor 20 Jahren startete das "Naturschutzprojekt Ranquas" mit Wiederanbringung von Jagdverbots-Schildern, die seit 1979 verschwunden waren, und Errichtung der ersten Infrastrukturen zum Stopp von Waldbränden.

 

 
 
 
 

Frühjahr 2008

     

FÖJ: Nun können Freiwillige auch auf dem Ranquas ihr freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) leisten - dank der Zusammenarbeit mit dem FÖJ-KUR Rheinland-Pfalz. Im April traf der erste FÖJler ein.

 

 
 
 
 

Sommer 2008

     

Steinadler: Junges ausgeflogen am 21.07.2008, emanzipiert sich zur Zeit von den Eltern.

Hütehunde: Hütehund "Wolf" kam am 31.7. unters Auto und überlebte zuerst mit Becken- und Beinbruch, Blutergüssen und Nervenfunktionsstörungen. Christian Petty berichtete am 11.8.:
"Trotz der Kosten (2500 €) haben wir uns für die OP entschieden.
Seit 11. August ist er wieder bei uns, noch etwa 2 Monate Pflegefall."


Doch einen Tag später, am 12.8. verstarb "Wolf" an einem Herzinfarkt. Bordercollie "Ours" soll nun die Hütehund-Rolle übernehmen.
Im Herbst wird der Bordercollie "Fuchs" geboren.

 

 
 
 
 

Frühjahr 2009

     

Website: Eine französchsprachige Website zum Ranquas ist Dank Karine Andreï jetzt unter http://ranquas.krea-id.fr/ online gegangen.
Außerdem unterhält sie ein Blog über die Adler im Massif Central: http://sauvegardeaigle.krea-id.fr/

Steinadler in Gefahr: Am wenige Kilometer entfernt Naturmonument "Cirque de Navacelles" würden die Steinadler ihre Horste aufgeben, wenn eine touristische Vogelflugschau mit zahmen Adlern ihren Betrieb aufnimmt. Mehr zum Problem siehe unter Helfen > Petition für die Adler im Vis-Tal.

 

 
 
 
 

Juni/Juli 2009

     

Steinadler außer Gefahr: Die Petition für den "Cirque de Navacelles" war erfolgreich - das touristische Großprojekt Vogelflugschau ist abgesagt.

Schafe angegriffen: Wildernde Hunde töteten in mehreren Angriffen 5 Blackface-Schafe und verletzten weitere. In Verdacht sind die Haushunde der nahegelegenen Ranquas-Farm von Nicole Vienney, die frei herumlaufen und einen Jagdhundeinschlag heben.
Seit den Angriffen werden die Schafe zur Sicherheit in ein für Hunde unerreichbares Korral gesperrt. Die Schafe meiden auch tagsüber Teile des Geländes. Beides führt dazu, dass die Beweidung des Schutzgebietes nicht wie vorgesehen erfolgt und außerdem Heu zugekauft werden muss - ein weitere finanzieller Verlust zusätzlich zum den Ausfällen durch getötete Schafe und den Tierarztkosten für verletzte.

Trauerschnäpper: Neu entdeckter Brutvogel in den Wäldern des Ranquas.

 

 
 
 
 

2010

     

Steinadler: Nach einer Störung brachen die Adler die erste Brut ab. Sie zogen in den zweiten Horst und haben dort erfolgreich einen Jungvogel ausgebrütet.

Waldbau: Kontakte zu Pro Silva France entstehen. Die Organisation gehört zu Pro Silva Europa und vertritt Förster und Waldbesitzer, die naturnahen Waldbau unter besonderer Berücksichtigung von Naturschutzfunktionen und auch kulturellen Funktionen propagieren.
Der Vorsitzende Alain Givors von Pro Silva France und die Forstfachleute Jean-Michel d’Orazio und Bruno Gallion vom "Centre Régional de la Propriété Forestière Languedoc Roussillon" besichtigen das Ranquas im September 2010.

Hütehunde: Im Mai hat "Fuchs" Bordercollie-Nachwuchs. Davon wird "Puma" behalten; verunglückt aber im Dezember. Nachfolger ist 2011 der Bordercollie "Singh".

 

 
 
 
 

2011

     

Waldbau 1: In Zusammenarbeit mit Pro Silva France (siehe 2010) entstand eine französischsprachige Dokumention zum naturnahen Waldbau im Ranquas (Link zur PDF-Datei).
Christian Petty stellt am 18. November das Naturschutzprojekt Ranquas und sein Management auf dem Kongress "Foresterranée 2011" zum Waldbau im Mittelmeergebiet vor.

Waldbau 2: Nach Besichtigung des Ranquas durch den Forstökologen Daniel Vallauri vom WWF, wird das Ranquas zu einem von 21 mediterranen Waldgebieten, in denen der IDF-Index getestet wird. Das ist ein Instument um die potentielle biologische Vielfalt in mediterranen Wälder zu einfach ermitteln; eine Spezifikation des IBP (Indice de Biodiversité Potentiel) und dann den Waldbesitzern Verbesserungsmöglichkeiten vorzuschlagen.

Steinadler: Erfolgreiche Brut. Der weibliche Jungadler wurde zum Jahresende von den Eltern aus dem Revier verscheucht.

Jagd: Kompromiss zum Schutz der Adler. Bisher war nur auf Antrag vom Gebietseigentümer eine Regulierung der Wildschweine im Jagdschutzgebiet Ranquas durch Berufsjäger der Jagdaufsicht vorgesehen. Nachdem die Jagdaufsicht aufgrund von Gesetzesänderungen in Frankreich nicht mehr unabhängig ist, sondern von den Privatjägern selbst gestellt wird wurde ein Kompromiss mit den Jägern nötig; zumal die Steinadler immer wieder durch Jagdhunde gestört wurden.
Nun sind maximal 3 Gesellschaftsjagden ausschließlich auf junge (bis zweijährige) Wildschweine im Jagdschutzgebiet zugelassen. Sie müssen zum Adlerschutz vor dem 10. Januar stattgefunden haben.
Im Gegenzug sichern die Jäger die völlige Jagdfreiheit (keine Jäger, keine Hunde) der Abhänge vor den Adlerfelsen nicht nur im Jagdschutzgebiet, sondern auch außerhalb davon jeweils ab 10. Januar bis August zu.
Die Vereinbarung hat den Rechtsstatus eine präfektoralen Dekrets und gilt für 2011 und 2012 und kann dann jährlich verlängert werden.

Wenn das Dekert eingehalten wird, so wäre das aus naturschutzfachlicher Sicht ein Gewinn. Da der Jagdschutz im Ranquas primär dem Vogelschutz dient und hohe Wildschweinbestände manche Arten bedrohen (z. B. Amphibien, Rittersporn), ist eine streng kontrollierte Schweinejagd akzeptabel. Das Problem ist, dass die Jagden als Massenauflauf von Jägern mit geringem Jagderfolg stattfinden.

 

 
 
 
 

2012

     

Waldbau: Das Ranquas gehört seit diesem Jahr zum Projekt "Forêts anciennes" des WWF mit 25 französischen "Alter Wald - Wirtschaftswald-Beobachtungsgebieten" und entspricht dabei der Kategorie "alter naturnaher Wälder". Eine Dauerbeobachtungsfläche in einem 60-80 jährigen Flaumeichenbestand wurde von einem Forstbiologen im Auftrag des WWF auf dem Ranquas angelegt. Dabei geht es um die Gewinnung von Erkenntnissen zu naturverträglichen Bewirtschaftungsmöglichkeiten von Flaumeichenwäldern, die die Biodiversität verbessern.

Artenschutz: Der im Hérault außerhalb des Ranquas ausgestorbenen Schlitzblättrige Rittersporn (Delphinium fissum) hat sich dank spezieller Schutzmaßnahmen und Biotoppflege auf ca. 350 Exemplare erhöht, von den 50 blühten.

Jagd: Gemäß der Neuregelung von 2011 wurden auch 2012 drei Wildschweinjagden genehmigt und von lokalen Jägern durchgeführt. Trotz der Vorgabe, führende Muttertiere auszunehmen, erschossen die Jäger zu 70% Muttertiere.

 

 
 
 
 

2013

     

Schafbeweidung: Geplant war die Übernahme der Schafherde durch eine junge Schäferin aus der Region. Sie wollte die Weideflächen des Ranquas und angepachtete Nachbarflächen nach Naturschutzvorgaben beweiden und die Herde auf Fleischproduktion mit ca. 80 Muttertieren ausrichten.
Nach anfänglichen Fehlern, die auch zum Tod einiger Schafe durch Verdursten führten, schmiss sie das Projekt hin.

Artenschutz: Die Bestände vom bedrohten Wanzenknabenkraut wurden von der Schafbeweidung ausgezäunt.

Steinadler: Im März Brutabbruch durch eine Störung am 23.3.2013 durch Wilderer auf Hasenjagd oberhalb des Horstes.
Später erfolgreiche Zweitbrut. Der weibliche Jungadler flog erst am 8.12.2013 aus. Das Foto unten zeigt die Beringung im Juli 2013.

 

 
 
 
 

2014

     

Schafbeweidung: Die Schafherde wurde nach der gescheiterten Übergabe der Herde auf eine vom Pflege- und Finanzaufwand tragfähige Größe reduziert.

Steinadler: Queen, die Adlerin, die auf dem Gebiet brütet, war im Frühjahr 2014 mit einem GPS ausgestattet worden. Die ständige Überwachung ließ sie ein gutes halbes Jahr über sich ergehen, dann hat sie die Verbindung zum Satelliten gekappt und sich so zumindestens der permanenten Kontrolle entzogen. Die Informationen waren und sind dennoch aufschlussreich und recht überraschend.
Offenbar aufgrund von Revierstreitigkeiten mit benachbarten Steinadlern kam es 2014 nicht zu einer Brut.

 
 
 
 

2015

     

Naturschutz: Verhandlungen zur mittelfristigen Übergabe des Naturschutzprojektes an einen auf Wildtierschutz ausgerichtete französische Naturschutzorganisation laufen.

Steinadler: Erfolgreiche Brut der Adlerin 'Queen' mit wie bisher immer weiblichem Nachwuchs. Das Adlermädchen 'Etoile' konnte im Juli beringt werden.

Klimawandel: Nach 3 Monaten Dürre sterben Mitte Juli erste Eichen ab. Dabei steht der typischerweise trocken-heiße August nch bevor. Wie manchmal schon in den Vorjahren beginnen einzelne Wildschweine, die in dem harten Boden keine Nahrung mehr finden, die Schafe anzufallen.

 
 
 
 
 
 
 
                         
 
 
 


Text:  Horizons Séranne / KNU

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